Es gibt Menschen, die in Restaurants grundsätzlich darauf hinweisen, wie ihnen das Essen geschmeckt hat. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen; wenn überhaupt spreche ich mit der Höhe des Trinkgelds. Ich könnte jetzt darauf abstellen, dass die Frage ob’s geschmeckt hat normalerweise eh nicht mehr ist als rhetorisch. Aber letztlich spiegelt mein Schweigen natürlich einfach nur ein gewisses Maß an Gehemmtheit wider. Umso hilfreicher, wenn man hin und wieder Gelegenheit hat, am Nachbartisch anderen Leuten beim Generalplädoyer zu lauschen. Ich wurde also heute Zeuge des folgenden schönen Gesprächs in einem Pizza Hut.
Bedienung: „Hat es Ihnen geschmeckt?“ Gast: „Mit der Pizza war ich nicht gerade zufrieden … zu viel Hackfleisch.“ Bedienung: „Oh, das tut mir leid!“ Gast: „Kein Problem, ich sage das ja nur für Sie.“
Darauf machte die Bedienung einen ziemlich irritierten Gesichtsausdruck und es war nicht schwer zu erahnen, welche Antwort ihr durch den Kopf ging: „Oh, vielen Dank, das ist sehr nett von Ihnen. Ich werde das umgehend an den Nachtmanager weitergeben. Der wird sich dann gleich nach Büroöffnung mit der Zentrale in Dallas in Verbindung setzen, damit ab morgen die weltweite Tiefkühlrezeptur der Pizza Supreme geändert wird… Ansonsten finde ich, dass ich ein geradezu überschwänglich freundliches Gesicht mache. Zumindest, wenn man berücksichtigt, dass ich mir gerade von jemandem eine Beschwerde über zu viel Wurst anhöre, der noch vor ungefähr 20 Minuten aus freien Stücken die Wurstbombe unter unseren fast 30 Pizzasorten bestellt hat.“
Es folgte dann aber „Dankeschön, ich werde das weitergeben.“ Ich habe der jungen Dame später extra Trinkgeld gegeben. Gesagt habe ich lieber mal nichts.
La Zona taucht ein in die trügerisch heile Welt eines Reichenviertels in Mexico City, das durch Sicherheitstore hermetisch vom chaotischen Rest der Stadt abgeschottet ist. Was mit einem am elektrischen Zaun der Siedlung verbrennenden Schmetterling reichlich symbolüberladen beginnt, entwickelt sich rasch zu einem atemberaubenden Film über einen jungen Kleinkriminellen, der nach einem gescheiterten Überfall in der Siedlung gefangen ist und verzweifelt versucht, der Rachsucht der Anwohner zu entkommen.
Regisseur Plá, der für sein Debüt zahlreiche Preise bei Filmfestivals einheimste, seziert gekonnt die Kontraste zwischen Arm und Reich und zeichnet ein aufschlussreiches Bild über das Gefangensein in sozialen Strukturen. Gleichzeitig integriert der Film so unterschiedliche Themen wie Korruption, Gerechtigkeit und Selbstjustiz. Dies gelingt deshalb so mühelos, weil Plá zu keiner Zeit versucht, diese Phänomene isoliert abzuhandeln, sondern sie geschickt in Beziehung zueinander setzt und als stützende Elemente des Grundproblems identifiziert: dem Erstarren einer Gesellschaft in lähmender Segregation. Dringend empfohlen.
Also: Wir dringen durch das unterirdische Heizungssystem ein. Hinauf durch ein weiteres Audienzzimmer hier und das Schlafzimmer von Pilatus’ Frau ist… hier. Und wenn wir seine Frau geschnappt haben, informieren wir Pilatus, daß sie in unserer Gewalt ist und unterbreiten dann unverzüglich unsere Forderungen. Irgendwelche Fragen?Was genau sind unsere Forderungen?
Viele seiner Fans wissen das nicht, aber WONST ist ursprünglich eine Form des altbayrischen Konditionals (z.B. “wonst net sofuat aufheast so gschissn zum Redn, don weri owa wirkli narrisch”). Einen allgemeineren Bekanntheitsgrad erreichte WONST erst zuletzt, nachdem es erfolgreich als Werbeträger in der Möbelbranche eingesetzt wurde (“wonst du noch oder lebst du schon?”). Weitere Ausführungen auf semi-unterhaltsamem Kalauerniveau wären möglich. Aber der Autor ist entschieden zu betrunken, um einen noch dramatischeren Verfall der Witzkurve abzuwenden und geht deshalb besser mal ins Bett.
Eine heiße Debatte spaltet die islamischen Schriftgelehrten. Ist es Allahs Wille, dass Mickey Mouse ausgerottet wird, oder nicht? Scheich Mohammed El Munadschid erklärte die Comicfigur zu einem “Agent Satans”. Anderer Meinung ist die Predigerin Suad Saleh: “Ja, Mäuse sollen laut der islamischen Lehre getötet werden. Aber es ist nicht logisch, eine Comic-Maus zu töten.” Da sind nuancierte Debatten über die großen moralischen Fragen im Gange - und wir lauschen mit Staunen.
Eines der traurigsten Konzerterlebnisse der letzten Jahre: Evan Dando gestern mit den wieder neu gegründeten Lemonheads in Brüssel. Mitte der 90er Jahre everybody’s darling und “schönster Mann der Welt”. Danach ein Jahrzehnt Crack und Black Tar Heroin. Das Konzert gestern endete dann so wie das letzte, das ich zehn Jahre zuvor (nur Wochen vor der damaligen Bandauflösung) gesehen hatte: Dando nicht mehr im Stande, das Ding zu Ende zu spielen. Welcome back.
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