Onsline TV-Tipp auf Arte: “Arzt dringend gesucht”
Das deutsche Gesundheitssystem krankt. Immer mehr kleine Einzelpraxen in den sozial schwächeren Bezirken von Berlin und auf dem Land müssen schließen, weil sie keinen Nachfolger mehr finden oder in die Insolvenz gerutscht sind. Man kann heutzutage als “Kassenarzt” ohne zuzahlungswilliges Klientel nicht mehr wirtschaftlich überleben. Es müssen Privatleistungen sogenannte”IGEL-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen) verkauft werden. Mehrarbeit bekommt man wegen des Budgets von den Krankenkassen nicht bezahlt. Was folgt, ist das Schließen der Praxen drei Wochen vor Quartalsende. Deswegen sprießen immer mehr “MVZ” (medizinische Versorgungszentren, vor der Wende auch Polikliniken genannt) aus dem Boden. Sie sollen die ambulante Versorgung auch in ärmeren Regionen Berlins und Gesamtdeutschlands sicher stellen. Alle Ärzte sind angestellt und um die administrativen Dinge, wie Abrechnung, Qualitätsmanagement, Marketing und Personal, kümmert sich eine Managementabteilung. In diesem Beitrag werden sehr gut die Zustände in einzelnen Einzelpraxen und in einem modernen MVZ dargestellt. So sieht hier in Berlin die Realität aus!
Viel Spaß, besonders so um die 22. Minute! Der ganze Beitrag ist sehr empfehlenswert.
Schon 1 mal Latscholinde!
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Also ich muss ja sagen, dass ich in diesen Polikliniken immer ganz vorzüglich betreut wurde, insbesondere die zahnmedizinische Abteilung in Fennpfuhl ist wirklich sehr empfehlenswert.
Interessanter Bericht, der allerdings eines versäumt, nämlich Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das Dilemma im Gesundheitsbereich ist meiner Meinung nach die unglückliche Kombination von Unternehmertum auf der einen Seite, denn ein niedergelassener Arzt ist nichts anderes als ein “Kleinunternehmer” und die gesellschaftliche Verantwortung zur medizinischen Versorgung auf der anderen Seite.
Bei einem Arztbesuch gibt es ja nun die interessante Situation, dass der Kunde, also der Patient, die Dienstleistung nicht unmittelbar bezahlt, sondern eine dritte Einrichtung -- die Krankenkasse. Für die Ärzte ist dies zunächst einmal eine äußerst günstige und lukrative Situation.
Die (gesetzlichen) Kassen haben aufgrund vieler Faktoren (Überalterung, anstieg der Behandlungskosten, Abwanderung in private Kassen usw.) allerdings ein Geldproblem, welches sie, wie es sich für standesgemäße Beamten gehört, mit Controlling und Sparmaßnahmen auf bürokratischem Wege zu lösen versuchen. Ich glaube ja nicht, dass das funktionieren wird.
Ich sehe da andere Hebel, die man betätigen könnte:
Eine stärkere Beteiligung der privaten Kassen am gesetzlichen Kassensystem. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich so privat zu versichern wie er Lust hat, allerdings ZUSÄTZLICH zum gesetzlichen Beitrag. Ich sehe das als gesellschaftliche Verantwortung, der sich niemand entziehen darf. Laut des Beitrages ist die lukrativere Behandlung von Privatkunden schließlich der Hauptgrund für den Wegzug vieler Praxen. Wahrscheinlich würde das die finanziellen Lücken nicht vollends schließen, aber mit Sicherheit einige Leute davon abhalten sich privat zu versichern. Das Eröffnen einer Praxis in finanzstärkeren Bezirken wäre weniger erfolgversprechend und die Abdeckung der übrigen Bezirke damit besser. Milchmädchenrechnung? Hm, vielleicht…
Darüber hinaus halte ich Einrichtungen wie das Polikum für sehr sinnvoll. Ich bin wirklich alles andere als ein Effizienzfanatiker aber eine Einrichtung, bei der fachgebietübergreifend auf kurzen Wegen gearbeitet wird, macht einfach Sinn und bietet Ärzten außerdem die Möglichkeit in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Ein guter Mediziner ist nämlich nicht automatisch auch ein guter Unternehmer, also in der Lage eine eigene Praxis zu führen.
Mich würde außerdem auch wirklich mal interessieren, wie die Bilanz einer Arztpraxis in Neukölln im Vergleich zu einem durchschnittlichen ähnlich großen Dienstleistungsunternehmen aussieht.
um 08:40 Uhr am 18.11.`11
fuck, ich kann den Beitrag, und viel wichtiger, die 22. Minute nicht sehen….irgendein Fehler grrrrr
um 23:17 Uhr am 21.11.`11
Ich finde den “Hebel” von dem Artur spricht eine gute Idee. Es gibt nun mal die “zwei-Klassen-Medizin”, obwohl unsere Politiker behaupten, dass würde nicht stimmen. Ein Privatpatient ist für den Arzt als Unternehmer ein wirtschaftlich viel interessanterer “Kunde” als der AOK-Patient. Es gibt kein Budget, die meisten einzelnen Abrechnungspositionen sind besser bewertet und man hat zusätzlich die Möglichkeit diese Position mit einem Faktor noch zu steigern, wenn die Behandlung schwieriger war oder länger gedauert hat.
Ich finde man sollte die private Versicherung in die gesetzliche eingliedern und eine gesetzliche Grundversicherung einrichten, ähnlich wie die gesetzliche Krankenkasse heute, weil mehr leisten gesetzlichen Krankenkassen schon heute nicht. Die Maßgabe von den gesetzlichen Krankenkassen für die Behandlung ist ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig. Ausreichend ist nach Schulnotensystem eine vier.
Deswegen sollte es die Möglichkeit geben, zu der gesetzlichen Grundversicherung eine private Zusatzversicherung abzuschließen.Die der einzelne für sich für wichtig hält Das würde bedeuten, dass der Sportler die Möglichkeit hat seine Risiken mit einem Zusatzbeitrag abzudecken und würde dann auch vom Chefarzt behandelt werden, wenn er es möchte. Oder der Raucher beim Lungenarzt etc.
Ich denke, dass man die Kassenbeiträge, dadurch, dass alle in eine Kasse einzahlen, deutlich senken könnte und es zu mehr Behandlungsgerechtigkeit kommen würde. Kürzere Wartezeiten auch für Kassenpatienten.
um 09:06 Uhr am 22.11.`11
Finde ich gut.
um 12:21 Uhr am 22.11.`11
@Easy: Hast Du es mal mit dem “Mediathek”-Programm probiert? http://www.onsline.de/2011/11/02/mediathek/
um 12:23 Uhr am 22.11.`11
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