Gepriesen seien die Siechen

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ein recht langer Artikel, aber super interessant und tatsaechlich sehr unterhaltend. Man muss schon sagen, ueber die Griechen kann man sich nur wundern.

Der folgende Paragraph von einem anderen Artikel bringt dann den finanziellen Status Quo, ganz gut auf den Punkt, waehrend der oben empfohlene Artikel eher auf einige der Misstaende eingeht, die dazu fuehrten. Schmerzfrei. (geil war auch neulich die Geschichte, wo rauskam, dass die Griechen in einigen hundert Faellen, wohl noch immer Renten an Leute zahlen, die vor Jahren schon gestorben sind….)

“But let us look at the issue in terms of numbers: Even on the off chance that Greece’s primary debt is completely wiped out, in 2012 it will have to pay some 52 billion euros (35 billion in mature bonds and 17 billion in interest), while it is expected to receive 12 billion euros from the troika. In 2013, Greece is not expecting to receive anything from the troika, but it will still need to pay approximately 44 billion euros (27 billion in mature bonds and 17 billion in interest). Basically, it needs to have more than 84 billion euros for the 2012-13 period alone, so even if it receives a loan of 60-65 billion euros, it will still have a shortfall of 20-25 billion. Ostensibly, this amount is supposed to be covered by privatizations and the sell-off of state assets.
Life, however, does not end in 2013. Where will Greece find the tens of billions of euros it need annually to service its massive debt? And what will happen after 2014, when the amount to cover interest rises?”

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Easy

5 comments Write a comment

  1. Was mich an dieser ganzen Griechenland-Sache stört, ist dass hier ein Land wie ein Unternehmen betrachtet wird.

    Das ist es selbstverständlich nicht.

    Im Gegensatz zu einem Unternehmen ist Griechenland nach einem Pleitegang nicht einfach “weg” (ich hab mir sagen lassen, dass dieses Land nach wirtschaftlichen Maßstäben seit 18hundertebbes im Schnitt alle zwei Jahre “pleite” war). Aus meiner naiven Unkenntnis heraus frage ich mich also: Was würde dann passieren? Was passiert, wenn die Griechen schlicht nicht zahlen? Die Isländer haben es in gewisser Weise ja bereits vorgemacht und zwei Mal einfach “tschü” gesagt. Marschiert dann die NATO dort ein, steckt die Bürger in Arbeitslager und lässt sie iPads zusammenschrauben? Werden Sparbücher gepfändet, Ländereien oder womöglich das ganze Land verkauft oder aufgeteilt?

    Die Summen, die im Zusammenhang mit diesem Staatsbankrott genannt werden sind doch rein theoretischer Natur. Ein Kredit ist nichts anderes ist als ein Vertrauensvorschuss, insbesondere in diesen Dimensionen. Griechenland würde also “lediglich” einen Vertrauensbruch begehen -- so what? Damit wäre es nicht das erste Land. Außerdem stellt sich die Frage, wer oder was “Griechenland” überhaupt ist. Auf wem oder was würde diese Verfehlung tatsächlich lasten und wie lange? Auf dem Land? Dem Volk? Dem Klemptner, der die Verstopfung im Scheißhaus beseitigt? hm…

    Wo sind hier die VWLer?

  2. Island hat nicht ‘tschue’ gesagt, wenn du damit einen ‘default’ meinst, und Griechenland hat es nur 2 Mal bislang formel getan und das ist ueber 100 Jahre her.

    Wichtig ist wohl zu verstehen, dass man nicht einfach ‘tschue’ sagen KANN, und damit ist das Problem aus der Welt geschaffen. ‘Ich hab kein Bock zu zahlen, geh weg’. Die Schulden bleiben also bestehen, soweit ich weiss erst einmal zeitlich unbeschrenkt. Sie stehen gegen den Staat, dessen Gueter und dessen Einnahmen, also indirekt gegen alle Steuerzahler (meistens Griechen). Von daher kam es fast immer in solchen Situationen -wenn ein Land die Zinsen seiner Schulden nicht mehr zahlen konnte, zu einem ‘restructuring’, und nicht zu einem echten Default -- oder nicht anerkennen der Schuldenlast.

    Normalerweise werden also Verhandlungen gefuehrt, wie man als Creditor irgendwie doch noch zu seinem Geld kommt. Also irgendwelche zusaetzlichen Darlehen zu guenstigen Konditionen, teilweise Annulierung von Schulden (wie es in Mittelamerika in den 80’s der Fall war), bzw zum Teil auch zu ‘Swaps’ — das heisst, man hat den Glaeubigern im Gegenzug irgendwelche Assets, Rechte oder Ansprueche an Anteilen von irgendwelchen Einkommen angeboten.

    Die Verhandlungen werden auf verschiedenen Ebenen gefuehrt --Normalerweise koordiniert und manchmal, wie bei Griechenland, mit Teilnahme von Dritten -- wie den Int Waehrungsfond. Auch wenn rechtlich die Lage ja fast immer klar ist, ist es eine andere Sache wie du dein Recht einforderst (und wie schnell!) -- also letztendlich entschaedigt wirst.

    Das Hauptdruckmittel war und ist in letzter Intanz der Zugang zu weiteren Geldern in der Zukunft (wobei es allerdings auch schon bei solchen ‘tschue’ Aktionen zu Sanktionen oder sogar militaerischen Interventionen gekommen ist). Heutezutage geht es aber um den Zugang an weitere Gelder/ dem Kapitalmarkt.

    Diese Gelder braucht jedes Land, das zumindest weiterhin sich den Luxus eines Haushaltsdefizits leisten will. Hinzu kommt -- auch wenn es bei den Siechen zZ ein bisschen anders ist — dass im Normalfall ja ohne Anbindung am Kapitalmarkt die eigene Waehrung nichts mehr wert ist. Das wiederum heisst, die Inflation rennt dir davon und fuehrt zur Verarmung der Bevoelkerung ! Politisch wird ein Land in einer solchen Lage dann natuerlich sehr anfaellig.

    Bei den Siechen, wie sie von nun auf alle Ewigkeit heissen sollen, verhaellt sich das natuerlich jetzt anders hauptsaechlich a) wegen dem Euro und b) wegen der Anfaelligkeit anderer Laender -- und zT der EZB -- und c) wegen der Anfaelligkeit des Bankensystems und deren Exposure. Diese drei Punkte erklaeren, warum tatsaechlich den ‘anderen’ wahrscheinlich fast mehr an der Rettung der Siechen liegt, als den Siechen selber (wobei, wie gesagt, das ist einfach irgendwie immer so, und nicht nur hier bei den Siechen und heute — lieber 70% als alles verlieren).

    Da es also ein echtes ‘tschue’ nicht gibt und die Schulden einfach bleiben, waere wahrscheinlich die beste Loesung den Siechen die Haelfte zu erlassen, das weitere Geld zu guenstigen Konditionen zu leihen und ihnen dabei zu helfen, den Laden langfristig effizienter zu managen.

  3. Vielen Dank für deine ausführliche Erklärung!
    Im Bezug auf Island meinte ich das zweimalige “Nein”, mit dem sich die Isländer im Rahmen der beiden Volksabstimmungen, natürlich rein formal, weigerten die finanzielle Verantwortung für den Untergang von Icesave zu tragen. Natürlich liegt der Fall hier völlig anders als in Griechenland, ich habe die Isländer lediglich als eine Art Beispiel für “Zivilen Ungehorsam” erwähnt.

    Ich hab jetzt ein bisschen wenig Zeit und schreibe daher später noch was zu dem Thema.

  4. So, nachdem ich während der letzten vier Jahre echt viel um die Ohren hatte, in der Zwischenzeit aber auch sonst recht viel passiert ist, möchte ich dieses Thema doch noch einmal aufgreifen. Wie sich am Beispiel Islands gezeigt hat, ist es sehr wohl möglich “tschue” zu sagen und Schulden trotz der erbittertster Gegenwehr Großbritanniens und den Niederlanden zum größten Teil schlicht zu annullieren. Es ist darüber hinaus auch möglich, fahrlässig zockende Banker zur Rechenschaft zu ziehen und zu verurteilen.
    http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=a2&dig=2015%2F02%2F21%2Fa0156&cHash=01784131a0aa2afc5949628dbd7a3f2e
    Und nein, Schulden bleiben eben NICHT bestehen und schon gar nicht zeitlich unbeschränkt. Kein Unternehmen würde größere Projekte in Angriff nehmen, wenn es fürchten müsste bis ans “Lebensende” für ein Scheitern bezahlen zu müssen und selbst Privatpersonen können durch die Restschuldbefreiung nach sieben Jahren vor vorne beginnen. Warum sollte dies einem Land nicht auch ermöglicht werden?
    Das ist nun einmal das Risiko das Gläubiger eingehen müssen, um Zinsen verlangen zu können.
    Ich finde außerdem interessant, dass Herr Ritschl im oben verlinkten Spiegel Text bereits auf die von Deutschland ignorierten Reparationszahlungen hinweist, die nach der Wiedervereinigung fällig gewesen wären und jetzt tatsächlich wieder von Griechenland aufs Tableau gebracht wurden.
    Nochmal meine These, ein Staat ist kein Unternehmen. Wenn der Leidensdruck der Bevölkerung zu groß wird werden Regierungen abgewählt, Schulden annulliert und korrupte Seilschaften zerschlagen. Bis zu diesem Punkt hat die Demokratie sowohl in Island, als auch in Griechenland ganz hervorragend funktioniert. Hoffentlich wird sie auch mit der zunehmenden radikalisierung fertig.

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