Vorratsdaten Gallore.
In den letzten Monaten und Jahren herrscht(e) ein reges Tauziehen um die sogenannte Vorratsdatenspeicherung. Der Begriff hört sich harmlos an, fast ein bisschen so als würde man sich etwas aufheben – für schlechte Zeiten. IT-Experten äußern massive Bedenken an dieser Maßnahme als schwerer Eingriff in die Privatsphäre. Im Prinzip werden Telekommunikationsdaten eines jeden von uns jeweils sechs Monate gespeichert, um sie im Falle eines Falles verwenden zu können. Im Voraus. Ohne Verdacht oder triftigen Grund. Das Bundesverfassungsgericht hat die Regelung mittlerweile zwar, weil verfassungswidrig, aufgehoben, so ganz möchte dies so mancher Politiker aber offensichtlich noch nicht wahrhaben.
Obwohl theoretisch durchaus bekannt ist, welche Daten hier konkret gesammelt werden, ist es schwierig, sich ein rechtes Bild vom Ausmass der gespeicherten Informationen zu machen. Um diese einsehen zu können, hat Grünenpolitiker Malte Spitz seine Daten bei der Telekom eingeklagt (!) und sich nun dazu entschlossen, sie offenzulegen. Konkret handelt es sich um ein Excel-Sheet mit 35.831 Zeilen, also 35.831 Informationen, die sein Handy im Zeitraum eines halben Jahres übermittelt hat. Die Zeit hat sich anschließend die Mühe gemacht, die Fülle der Informationen mit zusätzlichen Daten zu verknüpfen und in eine anschauliche, interaktive Form zu bringen. Schaut euch das unbedingt mal an, hier gibt´s den kompletten Artikel.
Und da regen sich Leute darüber auf, dass Ihre Häuserfassaden fotografiert werden.
via Fefes Blog

Schon 1 mal Latscholinde!
5 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Das ist jetzt aber auch nicht mehr als jeder Telefonanbieter über seinen Kunden weiß. Bestimmte Firmen erstellen ja schon Profile mit Daten die sie eigentlich nicht haben dürften, über Punktekarten oder sogar EC-Karten, dann hab ich die Daten lieber in der Hand des Staates, da kann wenigstens davon ausgehen das sie mit den Daten nichts anfangen können, weil gar nicht genug Personal da ist.
um 08:39 Uhr am 25.02.`11
Wie gesagt, es ist ja im Prinzip auch kein Geheimnis, daß Daten gespeichert werden, nur ist dieser Begriff “Daten” ziemlich vage und schwer zu fassen. So einen Datensatz dann mal aufbereitet und visualisiert zu bekommen hat da schon einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Außerdem sind die Daten ja (noch) nicht in der Hand des Staates, sondern zunächst einmal bei der Telekom. Und dass man die erst einklagen muss, um Einblick zu erhalten ist schon heftig…
um 09:18 Uhr am 25.02.`11
ehrlich gesagt stoert mich das auch nicht zu stark, dass sie meine Daten speichern. Wuerde mich dann stoeren, wenn ich ein Terrorist od aehnliches waere — so sehen sie bei mir so spannende Dinge wie ‘Di 6:20 verlaesst wieder das Haus; 13 Stunden im Moorhaus; 0 eingegangene Anrufe; 1 ausgehender Anruf; 1 eingehende SMS, 3 ausgehende SMS; 7:35 zurueck nach Hause’. … spannend.
das einzige, was mich stoeren wuerde, ist halt wenn meine Daten fuer Werbezwecke verwendet werden — so kriege ich seit 2 Wochen zB irgendwelche Spamkacke aufs Handy getextet…und das nervt.
um 17:52 Uhr am 26.02.`11
Stören würde dich das, Easy, wenn im Nachbarhaus 13 Stunden lang zufällig ein Terror-Woschti Bomben gebastelt hätte und Du als Deutsch-Iraner ins Visir eines paranoiden britischen Cops gerätst, der auffällig identische Verhaltensmuster in euer beider Kommunikationsprofilen entdeckt. Das mag sich jetzt wiederum meinerseits etwas paranoid anhören, ich war jedenfalls erstaunt darüber, wie granular sich der Aufenthaltsort triangulieren lässt. Ich dachte bisher immer das ginge nur so in der Größenordnung “Berlin, westlicher Teil”, “Gießen”, “Stuttgart, Mitte”.
um 18:34 Uhr am 26.02.`11
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