Gutes Bild, schlechtes Bild

Gerade bin ich über eine Studie gestolpert, bei der versucht wurde anhand der objektiven, technischen Daten von Fotografien Rückschlüsse auf deren subjektive Attraktivität zu ziehen. Halbwegs moderne Digitalkameras speichern bestimmte Parameter (Kameramodell, Blende, Belichtungszeit, Brennweite, Uhrzeit der Aufnahme usw.) im sogenannten EXIF Data Header. Mit Hilfe eines, aus über 552000 Fotos des Dating Portals OkCupid zusammengestellten, Online-Fragebogens wurden über 11,4 Millionen Antworten auf die Frage gesammelt, was ein gutes Foto ausmacht.
Das dabei so eine Art “Grundregeln gefälliger Fotografie” herauskommt war ja zu erwarten und viele werden jetzt sagen “Das steht doch in jedem halbwegs guten Fotobuch”. Trotzdem finde ich es interessant einige Dinge, wie zum Beispiel den Einfluss von Schärfentiefe, von der Masse belegt zu wissen und andere Faktoren, wie zum Beispiel den schadhaften Einfluss von direktem Blitzlicht auf das Foto in Zahlen und ausgedrückt zu sehen, die jeder versteht:
Soft light can hide wrinkles, blemishes, devil eyes. The hard light of a flash often brings them out. As I illustrate with the dotted lines below, you can calculate the equivalent “aging” effects of a flash by counting years horizontally between the ‘flash’ and ‘no flash’ lines. For example, a 28 year-old who used a flash is as attractive as a 35 year-old who didn’t. Trace the dotted lines to see what I’m talking about. Don’t piss off Ming

Darüber hinaus finde ich diese Grafik ziemlich interessant, nämlich den Zusammenhang zwischen Kameramodell und Attraktivität:

Jetzt kann man solche Statstiken ja immer so lesen, dass sie einem gerade in den Kram passen (ich erspare mir jetzt das allseits bekannte Zitat) aber abgesehen von der nachvollziehbaren Tatsache, dass man mit dSLRs (digitale Spiegelreflexkameras) tendenziell bessere Fotos schießen kann als mit einem Nokia Handy, fallen mir zwei Dinge doch ins Auge.
Das ist zum einem der immense Vorsprung von Panasonics Micro FourThirds Kameras. Dazu muss man wissen, das dieser Standard aus technischer Perspektive (Auflösung, Sensorgröße (und damit dessen Lichtstärke und Dynamikumfang) ALLEN herkömmlichen dSLRs deutlich UNTERLEGEN ist. Offensichtlich scheint entweder Panasonic mit der Abstimmung der Kameras alles richtig gemacht, oder der Standard an sich einen gewissen (positiv ausgedrückt) Nerv oder (negativ ausgedrückt) Massengeschmack getroffen zu haben.
Jetzt könnte man natürlich sagen, das diese Kameras erschwinglicher sind, als “große” dSLRs und sich über die schiere Masse so weit vorne platzieren konnten. Dann allerdings frage ich mich, wie es Leicas Point n Shoot Modelle (Mit “Point n Shoot” bezeichnet man übrigens Kompaktkameras mit wenig oder gar keinen manuellen Einstellmöglichkeiten) geschafft haben, sich an den fetten dSLR-Boliden der etablierten Konkurrenz vorbei auf den zweiten Platz zu schieben?
Korrigiert mich, aber ich persönlich kann mich nicht erinnern, dass eine Leica Kamera bei einem Vergleichstest einmal irgendeinen der vorderen Plätze belegen konnte. Meist lautete das Fazit: Keine schlechte Kamera aber XYZ ist die bessere Wahl, im Zweifel wegen des besseren Preis-/Leistungsverhältnisses. Natürlich wird versucht bei solchen Tests möglichst objektiv zu bleiben. Der subjektive, nicht durch Zahlen belegbare Bildeindruck fällt dabei meist hinten runter, obwohl eigentlich genau der es ist, der letztendlich zählt. Das ist gleichermaßen bitter für einen Hersteller wie Leica, der sich in der Featureitis-Flut mit klassischen Tugenden beweisen muss, wie auch für einen Newbie wie Panasonic, der noch nicht auf jahrzehntelange Erfahrung und ein entsprechendes Standing zurückgreifen kann.
Unterm Strich beweist diese Umfrage für mich jedenfalls ein weiters Mal, das es eben nicht zwangsläufig von den technischen Höchstwerten, der Megapixelanzahl, den Bildern/sec oder der Objektivgröße abhängt, ob eine Kamera gute Bilder liefert oder nicht. Die Gesamtabstimmung macht´s. Es scheint also doch etwas dran zu sein an dem Voodoo, das den Leica Kameras (bzw. Objektiven) innewohnt und für das viele Leute seit je her bereit sind, einen relativ hohen Preis zu zahlen.
Und wem die Kameras mit dem roten Punkt zu teuer sind, der nimmt gleich den “Spitzenreiter”, eine Panasonic FourThirds, die ist dann auch noch relativ klein und handlich, denn die beste Kamera ist immer noch die, die man dabei hat. Und dann kauft man sich noch ein gescheites Fotobuch dazu, da stehen dann alle wichtigen Erkenntnisse dieser Umfrage noch einmal drin – mit Anleitung. Und wem das immer noch zu teuer ist, behält einfach seine alte Kamera und kauft sich nur ein Buch.
Und ja, fürs Phrasenschwein und die Fotografen unter Euch: Den größten Einfluss aufs Bild hat natürlich nach wie vor der Fotografierende.
Zur “Studie”
Schon 3 mal Latscho!
5 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Äh, wie hieß nochma deine Kamera Addur?
Hab mich gefragt, ob es vielleicht Einflüsse gibt, die gar nichts mit den Qualitäten der Kamera und denen des Fotografen zu tun haben. Könnte es nicht sein, dass einfach die Leute mit der Panasonic Fourthirds wesentlich cooler sind als die anderen und dementsprechend auch die cooleren sprich attraktiveren Menschen Fotografieren (so wie das ja bei dir der fall ist). Vielleicht ist das so ähnlich wie bei dieser Studie.
um 08:02 Uhr am 12.08.`10
Meine Kamera tut hier nichts zur Sache aber ja, jetzt wo Du´s sagst, Leute mit Fourthirds sind NATÜRLICH wesentlich cooler als alle anderen. Wie konnte ich das übersehen. Du hast da ja schon das perfekte Beispiel rausgesucht. Faszinierend auch, wie Studien manchmal zu den gleichen Ergebnissen kommen, insbesondere, wenn es sich um ein und dieselbe handelt.
Bleibt aber immer noch das Leica-Problem…
um 08:26 Uhr am 12.08.`10
Oh, manchmal sollte man auch mal auf die Links klicken…guter Zufall, ich hatte das von der WuV.
Das Leica-Problem ist doch das gleiche wie das Panasonic-Phänomen. Also, mein Vater (hat eine Leica und ist natürlich unglaublich cool) hat eine riesen Fotodatenbank. Und jetzt rate mal, welche Person da am häufigsten auftaucht? Richtig: ich!
um 08:51 Uhr am 12.08.`10
Ach, Mist -- jetzt hab ich mir schon das Sony Handy bestellt. Das war’s mit dem Sex für die nächsten 2 Jahre… und wer mich dann noch mit Blitz fotografiert kriegt ab jetzt auf’s Maul!
Aber für das gesparte Geld bekomm ich vielleicht ne Kamera, durch deren Besitz ich automatisch zu einem Personenkreis zähle, der tendenziell bessere Bilder schießt. Hab ich die Studie richtig verstanden? Ps. die Linke gefällt mir besser.
um 17:04 Uhr am 13.08.`10
Eh, die Linke gefaellt mir auch besser
um 19:09 Uhr am 15.08.`10
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