Immer an der Wand lang
Ach schön. Endlich ein Beitrag, bei dem ich meinen Lieblingsslogen (ehemals für Erfurt Rauhfasertapeten) anbringen kann. In der folgenden Kurzdoku geht es um Fassadenmaler in NY. Leute, die mit Farbe und Pinsel hoch über der Stadt Reklame, denn Werbung möchte ich das irgendwie nicht nennen, auf Häuserwände malen und leider immer mehr von den sogenannten “Vinyls”, gedruckten Kunststoffbannern, verdrängt werden.
Im Lexikon zu finden unter der Kategorie “Aussterbende Berufe”, gleich neben den Kinomalern und allein deshalb haben sie einen kleinen Platz auf Onsline verdient. Die Doku wird jetzt sicher keinen vom Hocker reißen, ist aber gut gemacht und verströmt exakt das Quentchen Nostalgie, das ich an einem Donnerstag Morgen brauche.
Und bevor die Unkenrufe beginnen: Ja, es ist eine gesponsorte Doku, und das Ding hat natürlich auch die entsprechende Website, aber solange so etwas Gescheites dabei herauskommt, lasse ich mir das gerne gefallen, außerdem handelt es sich beim Sponsor ja um meinen Namensvetter…

Schon 5 mal Latscho!
10 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Ah schon wieder so ein Werbe Zeug, wirst Du eigentlich bezahlt Artur?
um 16:22 Uhr am 29.04.`10
Obwohl ich sämtlichen Leuten immer wieder aufs Neue zu erklären versuche, dass nicht jede “Online-Agentur” zwangsläufig eine “Werbeagentur” sein muss (eher das Gegenteil ist der Fall), muss ich zugeben, dass die meisten unserer Projekte durch Werbung finanziert werden.
Daher: Ja Jochie, werd´ ich. Kind of.
um 17:24 Uhr am 29.04.`10
Kauft Stella Artois.
Das ist echt super.
um 17:26 Uhr am 29.04.`10
SInd ja auch viele Artikel zu dem Thema hier im Blog, allerdings nicht nur von Dir. Ich fühl mich ein wenig manipuliert.
um 06:20 Uhr am 30.04.`10
LATSCHOOO!
um 20:02 Uhr am 01.05.`10
Hey Stella,
fand ich top. Latschooo even.
um 16:42 Uhr am 02.05.`10
@ Jochie: Du solltest differenzierter an die Sache ran gehen. Werbung ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems – und meistens nervig! Ich finde aber, dass gerade so etwas hier ein gelungenes Beispiel dafür ist wie Werbung einen Wert schaffen kann, der nicht ausschließlich in der Buchhaltung des Werbenden zu erkennen ist. Der Film macht keinen Hehl daraus, dass es sich um Werbung handelt, was es einem aufgeweckten Kerlchen wie Dir leichter machen sollte sich der Manipulation zu entziehen. Ausser natürlich Du hast Bierdurst. Aber selbst dann ist Dir wahrscheinlich das Licher oder sogar Giessener näher als das Stella.
@Artur: Was hast Du denn mit deinen Gegenteilen? Warum ist das erstellen von Webseiten für Unternehmen denn eher das Gegenteil von Werbung? Beides ist Marketing-Kommunikation und nur weil Webseiten (von Bannern will ich gar nicht sprechen) u.U. eine höhere Informationstiefe haben, heißt es doch nicht, dass sie weniger manipulativ sind als Werbung. Und die Online-Agentur, die ausschließlich mit “journalistischem” ihr Geld verdient muss man auch erstmal finden. Auch Du bist ein Werbe-Fuzzi, sorry!
um 10:21 Uhr am 05.05.`10
@ Malte: Ich bin, was deine Anmerkung zum Film und “Werte schaffender Werbung” angeht absolut deiner Meinung. Sehe ich genauso.
Was die Betrachtung von Werbung im Zusammenhang mit Websites angeht, besteht allerdings noch etwas Raum zur Differenzierung.
In den frühen Gründerjahren des Webs hatte man es zu einem guten Teil mit Websites zu tun, die oft nicht viel mehr Information und Möglichkeiten boten als eine gedruckte Informationsbroschüre. Wichtig war damals zunächst einmal, im Web präsent zu sein. “Internet? Da müssen wir auch drin sein.” Der Begriff “Internetpräsenzen” umschreibt diese Form von Websites daher unheimlich treffend.
Auch bei heutigen Unternehmenswebsites, die repräsentativen oder informativen Charakter haben, sind die Übergänge zwischen Werbe- bzw. Marketing- und Verkaufsinstrument fließend. Wenn ich auf Canyon perfekt in Szene gesetzte Downhill-Boliden anschauen und ein Klick weiter direkt so ein Ding bestellen kann, dann läßt sich darüber streiten, ob das nun ein werblich gestalteter Shop oder ein Produktportfolio mit Bestellmöglichkeit sei. Direktvertriebe wie Canyon bei Fahrrädern, oder teufel bei HiFi-Geräten sind bei genauerem Hinsehen eine Art Zwitter und bilden den Übergang in eine weitere Kategorie von Websites. Der Online Shop teufel.de ist der EINZIGE Weg, (vom Telefon abgesehen) um sich bei Teufel ein paar Boxen zu kaufen. Die Website ist der Laden. Sie ist bereits ein Teil der angeboteten Leistung.
Entfernt man nun auch noch die physisch greifbaren Produkte, in diesem Fall Boxen, so kommt man zur nächsten Abstraktionsstufe: Websites, die Informationen anbieten (egal mit welchem Erlösmodell), am eindrücklichsten repräsentiert durch Verlage (auch Musik-Labels) und Online Magazine, also sämtliche redaktionellen Inhalte im Netz. Du hast absolut richtig bemerkt, dass Websites mit redaktionellem Inhalt nur einen kleinen Teil des Internet ausmachen. Keine Online-Agentur kann ausschließlich hiervon leben.
Es geht allerdings noch einen Schritt weiter, nämlich wenn die angebotete “Leistung” aus der Website bzw. dem Dienst AN SICH besteht, die Website weist dann nicht nur auf Leistungen oder Produkte hin, SIE IST DAS PRODUKT.
Die bekanntesten Bespiele hierfür sind facebook (wie auch alle anderen Netzwerke), youtube (wie alle seine, auch öffentlich rechtlichen, Pendants), flickr, dropbox, so gut wie alle Google-Dienste, Webmailanbieter, oder Online-Anwendungen, wie aviary.com (Bildeditor) und nicht zuletzt Online-Spiele.
Die Websites all der oben genannten Dienste weisen nicht auf ein Produkt hin, stellen es aus oder bieten eine Kaufmöglichkeit -- sie SIND das Produkt. Sie haben einen echten, ihnen inhärenten Nutzwert und ihre Interfaces wurden extrem aufwändig im Hinblick auf ein maximal komfortable, verständliche und einfache Bedienung entwickelt und optimiert (man hat es zumindest versucht, meistens…). Sie bieten kombinierte Dienste (-leistungen), sind also im weitesten Sinne Applikationen, Web-Applikationen eben.
Natürlich werben sie in gewisser Weise auch für sich selbst, aber das tut das Logo auf einem Kleidungstück, ein schön gestaltetes Auto oder ein abgefahrenes Firmengebäude natürlich auch. Kein Mensch würde aber auf die Idee kommen, von einem Architekten zu behaupten, er arbeite in der Werbung.
Der Mann entwirft Häuser, und sein Bauingenieur baut die Dinger.
In diesen Häusern arbeiten, wohnen, und bewegen sich dann Menschen.
Ich entwerfe Websites und mein Programmierer baut die Dinger (wir sagen tatsächlich “bauen”).
In diesen Websites arbeiten, wohnen, und bewegen sich dann Menschen.
Meine Arbeit ähnelt der eines Architekten weit mehr, als der eines Grafik-Designers in der klassischen Werbung. Das ist auch der Grund, warum viele Web-Designer diese Berufsbezeichnung gar nicht mehr so gerne hören und sich eher als Interface-Designer oder Informationsarchitekt sehen. Das mag ein wenig als Augenwischerei und Begriffsgegurke rüberkommen, hat aber durchaus einen triftigen (Hinter)Grund. Die Arbeitsweisen, -ziele und -inhalte sind einfach grundverschieden.
Darüber hinaus denke ich, dass die Bezeichnung “Internet-Agentur” zum einen eine großen Anteil an der Assoziation mit “Werbeagenturen” hat und zum anderen schlicht nicht (mehr) die Arbeitsfelder vieler “Agenturen” (einschließlich der meinen) korrekt beschreibt. Der Begriff “Agentur” ist eine Altlast aus der Gründertagen des Netzes. Auch hier würde ich den aus den Architektur abgeleiteten neutraleren Begriff “Büro” bevorzugen.
Ich meine das übrigens absolut nicht (ab)wertend. Wie ich oben schon angedeutet habe, bin ich der Meinung, dass es einen Haufen wirklich brillanter Projekte mit eindeutig werblichem Hintergrund gibt, einschließlich Websites, die hervorragend gemacht sind und Spaß machen / unterhalten / informieren. Dies ist aber bei weitem nicht der größte Teil des Netzes.
um 14:48 Uhr am 05.05.`10
Ich sage da jetzt einfach sehr differenziert wieder, hey Stella, fand ich top. Latschooo even.
um 21:38 Uhr am 05.05.`10
Puh, ja latscho. Äusserst differenziert. Aber addur, Du bist und bleibst ein Fuzzi, wenn Du schon kein Werbe-Fuzzi sein willst (warum auch immer, so ganz wertfrei), dann halt eben ein Screen-Designer-Informations-Architect-Fuzzi! Und wenn ich noch etwas hinzufügen darf: Das ist auch gut so! Das mit der Manipulation hat auf jeden Fall schon mal geklappt. Hab ein ganz neues Bild von Deiner Arbeit. Aber tiefer einsteigen werden wir dann wieder, wenn wir im Sommer gemeinsam darauf warten, dass sich die Wohnungsbörsen automatisch aktualisieren. Dank irgendwelcher Informations-Actualizers. Nächtle.
um 22:24 Uhr am 05.05.`10
“Immer an der Wand lang” kommentieren