Block Ad Blocker

Heute geht es ausnahmsweise mal weder um Film, noch Musik, Literatur oder ähnliche Freuden des Lebens, sondern um eine eigentlich eher unangenehme “Begleiterscheinung” des Internets. Werbebanner, Ads genannt und das Kraut, das dagegen gewachsenzüchtet wurde: Ad-Blocker, kleine Programme, die nervende Werbebanner auf Websites kurzerhand ausblenden.
Ad-Blocker haben ihre Ursprünge in den Gründerjahren des Internets, einer Zeit, in der knatternde 14.4 Modems buchstäblich einzelne Bits mühsam durch analoge Telefonleitungen saugen mussten wie Tischtennisbälle durch einen Gartenschlauch, während die große Schwester nebenan schon ungeduldig neben dem blockierten Telefon auf und ab patrouillerte und für die anschließende Abreibung warm redete. Ein funktionierender Ad-Blocker half damals dabei, wenigstens den Download der dicken Werbebanner zu vermeiden und die Abreibung auf die verbale Ebene zu beschränken. So weit so gut.
Cut. Wir befinden uns im Jahr 2010, 14.4 Modems geistern, wenn überhaupt, nur noch als Handyklingeltöne durch die Welt und unsere Bandbreiten reichen im Allgemeinen locker aus um Videos flüssig übers Netz zu streamen und gleichzeitig mit Oma zu videokonferenzieren. Das Tischtennisballproblem ist Vergangenheit, die Schwester verheiratet und man selbst ausgezogen. Ein anderes Problem allerdings, die sogenannte Monetarisierung des Netzes, ist umso aktueller.Und weil sich “Monetarisierung” in meinen Ohren irgendwie immer gleich nach Abzocke anhört, drücke ich es mal anders aus: Wie finanziere ich eine Website? Wie bezahle ich den Webspace, das Hosting, den Traffic? Wie meine Mitarbeiter, Redakteure, Admins, Webdesigner oder wen auch immer?
Echte Bezahlmodelle konnten sich im Web, abgesehen von sehr, sehr wenigen Ausnahmen (z.b. Financial Times), bisher nicht oder noch nicht durchsetzen. Über deren Zukunft streiten sich seit Jahren die Experten. Denn obwohl sich Internetnutzer bei Umfragen ungemein großzügig zeigen und gerne angeben, dass sie für ein gutes Informations- oder Unterhaltungsangebot selbstverständlich auch Geld bezahlen würden, tun sie dies in der Praxis leider nicht annähernd so oft und ergreifen beim Auftauchen des PayPal-Logos lieber die Flucht und suchen ihr Heil in kostenlosen Angeboten. Scheinbar kostenlosen Angeboten, um genau zu sein, denn wir bezahlen so gut wie alle (halb-) und professionellen Websites, nur eben nicht mit Euro oder Zloty, sondern mit der Währung der Netzes: Aufmerksamkeit.
Betreiber von Websites mit guten Inhalten erhalten von ihren Besuchern Aufmerksamkeit, welche sie in Geld umwandeln können, indem sie bestimmte Flächen auf ihrer Website vermieten. Und davon leben. Dabei ist es nicht von vorrangiger Wichtigkeit, ob die Banner geklickt werden oder nicht, gezählt werden Seitenaufrufe in allen Variationen, ich erspare euch an dieser Stelle die diversen Szenarien.
Besucher, die mit Ad-Blocker, einem Programm oder Plugin, das Werbung ausblendet, unterwegs sind, werden selbstverständlich als solche erkannt. Glaubt nicht, dass das niemand merkt. Besucher mit Ad-Blocker werden bei den Seitenaufrufen nicht berücksichtigt, fehlen damit in der Schlussrechnung und haben Inhalte konsumiert, ohne einen Gegenwert dafür zu anzubieten. Schlimmer noch, die fehlenden Einnahmen werden tendenziell durch mehr Werbung, größere Werbeplätze oder nervende Bannereinblendungen kompensiert. Diese sieht natürlich wiederum nur der “ehrliche” Surfer ohne Ad-Blocker. Das alles gilt insbesondere für große Websites wie z.b. Online-Zeitungen und -magazine. Der Journalismus in Deutschland schlittert bekanntlich ohnehin geradewegs in seine bisher größte Krise – blind und selbstverschuldet wie ich denke – aber man sollte ihm wenigstens die Möglichkeit geben online durch gute Qualität und Werbung Geld verdienen zu können und damit seine Inhalte frei zugänglich zu lassen anstatt sein Heil in abgeschotteten Paid-Content Ghettos zu suchen (die dann irgendwann dicht machen).
Das schöne am Internet ist aber, das nicht nur die dicken Fische von der Möglichkeit Werbung zu platzieren Gebrauch machen können, sondern eben auch der Blogger/Musiker/Fotograf/Autor von nebenan. Dabei werden die wenigsten reich, aber ein paar Groschen zusätzlich können einem Musiker, der seine Songs online anbietet, einem Fotografen der online seine Fotos zugänglich macht oder einem Autor, der seine Texte im Netz veröffentlicht, helfen bei der Stange zu bleiben und sich zu entwickeln. Und das ist auf jeden Fall unterstützenswert.
Ars Technika hat sich mit der Problematik Ad-Blocker auseinandergesetzt und testweise mal allen Besuchern mit so einem Ding den Content gleich mitausgeblendet. Obgleich das Gezeter und die Empörung natürlich groß war, viele waren sich gar nicht bewusst, was der Gebrauch des Blockers für Folgen für Websitebetreiber haben kann. Ars Technika hat sich schlussendlich gegen den Einsatz solcher drastischen Maßnahmen und für einen offenen Appel an seine Besucher entschieden. Lobenswert.
Also: Ad-Blocker aus und die Seiten die ihr mögt mit eurer Aufmerksamkeit belohnen.
P.S.: Ein völlig andere Sache sind übrigens Browser-PopUps. Keine Website der Welt hat das Recht ungefragt auf irgendeinem Rechner ein Fenster mit Werbung zu öffnen. Keiner. Daher gehören diese auch gnadenlos unterdrückt. Und kein seriöser Websitebetreiber der etwas auf sich hält wird je Gebrauch von derartigem Ungeziefer machen.
Schon 3 mal Latscho!
2 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Wird auch in Zukunft so gemacht. Versprochen!…
…Latscho Tapete übrigens!!!
um 20:06 Uhr am 14.03.`10
Top Linde. Hätte nichts anderes von Dir erwartet.
um 10:39 Uhr am 15.03.`10
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