Filmmemory

The Tracey Fragments ist eine Art Teenie-Drama mit Juno Darstellerin Ellen Page in der Hauptrolle und durfte auf der 57. Berlinale die Reihe „Panorama“ eröffnen. Die Story ist soweit nichts besonderes: Ein Mädchen aus zerütteter Familie erlebt eine wirklich beschissene Nacht, die vielleicht ihr Leben für immer verändern könnte, erfährt Enttäuschung, Brutalität und Vertrauen. Soweit, so konventionell, so gut.
Interessant an Bruce McDonalds Film sind jedoch seine formalen Mittel. Der excessive Einsatz von Splitscreens, Überlagerungen, Bildmontagen und Schachtelungen läßt The Tracey Fragments wirken, wie eine komplette, übereinander geschichtete 24-Staffel, allerdings weit intensiver, emotionaler und unkonventioneller montiert collagiert. Es ist immer problematisch, wenn filmische Mittel über etwas dünne Inhalte hinweghelfen sollen – in diesem Fall funktioniert es meiner Meinung nach jedoch erstaunlich gut und so wurde The Tracey Fragments denn auch mit dem Manfred Salzgeber Preis als ein „die Grenzen des Kinos erweiternder Spielfilm“ ausgezeichnet. Die Mittel nutzen sich nach einer Weile leider etwas ab und dem einen oder anderen wird das alles vielleicht etwas zu anstrengend werden. Dennoch ist es Tracey wert, sich eine zeitlang von ihrer suggestiven Ästhetik mitnehmen zu lassen – wenn auch nur für ein halbes Stunde. Wer dann genug hat kann getrost ausschalten, ich erzähle euch gerne, wie die Geschichte ausgegangen ist.
Interessanterweise musste ich während des Anschauens die ganze Zeit an Tarnation denken, einem aus Video-, Super8- und Fotomaterial bestehendem Dokumentarfilm aus dem Jahre 2003. Trifft sich sehr gut, dass mir das Ding wieder eingefallen ist, dann kann ich ihn euch gleich an Herz legen. Der ist nämlich auf jeden Fall sehenswert.


Schon 1 mal Latscho!
2 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Wo wirs gerade über Splitscreens hatten:
um 14:16 Uhr am 06.07.`09
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