Foxtrot with Bashir
Nach Tagen grosser Vorfreude, habe ich nun endlich “Waltz with Bashir” sehen können. Zweifelsohne ein grosser Film.
Und da Artur mich an anderer Stelle darum bat, die Keule nicht rasten zu lasten, will ich das auch nicht tun: denn rastende Keulen rosten.
Fuer alle die, die erwarten eine Rezension eines Filmes zu lesen, ohne etwas darueber zu erfahren – bitte JETZT aufhoeren zu lesen.
Nichtdestotrotz, wuerde ich anfuegen, dass Waltz with Bashir kein Fussballpiel ist, wo die Spannung verloren geht, wenn man das Resultat kennt – in keinster Weise.
Ich will also hier nicht weiter auf die vielen positiven Aspekte des Filmes eingehen, sondern auf ein bis zwei Schwächen – allerdings, wie ich finde, ernstzunehmende Schwächen bei einem derart brisanten Thema, wie das des Massakers von 1000 bis 3000 (!) palestinaensischer Flüchtlinge in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, ausgeuebt von den libanesisch-christlichen Falangist, gedultet und unterstuetz von der Israelischen Besatzungsmacht.
Am Anfang war es nur ein ‚Gefühl’ das mich an Waltz with Bashir störte und ich konnte nicht genau sagen was es war. Nach längerer Überlegung, weiss ich was es war, und ich werde versuchen es hier zu erklären. Ich poste meinen Kommentar des Filmes als eigenständigen Rezension, und nicht als Kommentar zu Arturs Tipp, fuer den ich ihm natürlich sehr dankbar bin. Zum einen weil der Text so auf Grund seiner Länge leichter zu lesen ist. Zum anderen weil ich dem Film auf Grund der folgenden Schwäche nur 4 Sterne gebe.
Meiner Meinung nach, kann die Entscheidung Ari Folmans in Waltz with Bashir das Thema des Massakers nicht zu politisieren, in sich als Politikum gesehen werden, denn in Kombination mit dem Hauptthema des Filmes – Aufarbeitung eines Traumas israelischer Soldaten – wird der Zuschauer verführt, mit eben diesen Soldaten zu sympathisieren, während die tatsächlichen Opfer des Massakers in Folmans Film keine Stimme finden, bis auf die letzten Minuten des Filmes weder die Schrecklichkeit des Massakers an sich, noch die der Unterdrückung der Israelischen Besatzer – ganz abgesehen von der Ungerechtigkeit des zionistischen Projektes an sich. Durch diese willkürliche Aussparung oder auch Einseitigkeit der Darstellung, das Leid der Palästinenser die zumindest in der von Folman ausgesuchten Situation ganz klar Opfer sind, geratet sie in Vergessenheit. Da wir uns vielmehr mit den Traumas der israelischen Soldaten befassen, wird die Täter und Opferrolle so auf sehr subtile Weise im Verständnis des Zuschauers vertauscht. Ich bin der Meinung, dass dies trotz Folmans Entscheidung sich auf das Thema der Verdraengung und des Erinners zu konzentrieren nicht unvermeidbar gewesen ist.
Positive Aspekte gibt es wie gesagt sehr viele bei Waltz with Bashir: zum Beispiel hab’ ich mich ganz besonders und einfach nur über die ungewoehnliche Stimmung gefreut, die der Film erzeugt. Durch die ernste Thematik und die gewählte Dramaturgie war ich während der gesamten 90min Spielzeit sehr gespannt, mehr und mehr herauszufinden, zusammen mit dem Erzähler auf den Spuren seiner verdrängten Erinnerungen zu sein, fast einem Thriller gleich.
Und gleichzeitig erzeugte der Film in mir eine angenehme Leichtigkeit und Vertrautheit, die unter anderem durch eine gewisse Selbstironie erzeugt wird (z.B. der angeblich ‘geniale’ Einfall, Falafeln in Holland zu verkaufen), und durch eine hervorragenden Charakterisierung des Erzählers. Sehr schnell hat man das Gefühl den Erzähler zu kennen, er ist glaubwürdig, menschlich, dramaturgisch ein gelungener, ‘runder’ Charakter (z.B. fand ich das permanente kiffen mit einem seiner Jugendfreunde entspannt) – man sympathisiert mit den Charakteren, kann sich in sie hineinversetzen.
Die visuelle Darstellung ist natürlich ganz besonders hervorzuheben, wie Artur schon sagte, (die zum Teil unbeholfen wirkenden Bewegungen, finde ich in keinster Weise störend) und auch die Musik fand ich gut ausgewaehlt – treffend und musikalisch einfach stak -(z.B. “This is not a love song” – ein starker Song). Die sehr bedrohlich wirkenden Hunde, die in der Anfangssequenz eine Apokalypse gleichend durch die Strassen jagen sind schlichtweg ein Knaller und schaffen es, die Gesamtstimmung des Filmes zentral von Anfang an mitzubestimmen. Aber natürlich ist der Film auch gerade deswegen so sehenswert, weil er einen sehr interessanten Inhalt hat. Das Massaker von Sabra und Schatila, und die Schuldfrage Israels darin. Und hier versagt der Film politisch fuer meinen Geschmack, wie gesagt. Ich finde den Film also keunstlerisch und auch inhaltlich stark, aber politisch nicht sauber.
Meines Erachtens kommt der Film hier also seiner historischen Verantwortung als israelischer Film eines ehemaligen israelischen Soldaten, der in diesem Film eine Aufklärung der Vorkommnisse in Sabra und Schatila sucht, objektiv Stellung zu nehmen nicht nach.
Ari Folman räumt in WwB eine Teilschuld an den obengenannten Massakern ein. Israel habe trotz der Kenntnis über das Morden in den Lagern nicht eingegriffen, die Falangist Truppen also vom Morden von bis zu 3000 Palästinensern in zwei Tagen als Racheakt fuer die Ermordung ihres religiös verehrten Führers Bashir Gumayil nicht abgehalten zu haben (tragischerweise, erfuhr man später, dass Bashir tatsächlich vom syrischen Geheimdienst und nicht von den Palästinensern ermodert wurde).
Tatsächlich ist allerdings historisch belegt, dass die Schuldfrage Israels wesentlich stärker als über die bloße Passivitaet hinausgeht. Israelische Soldaten haben nicht nur die Falangist Truppen in die von ihnen kontrollierten Lager hineingelassen, sondern auch bei der Beseitigung der Leichen während des Massakers mitgeholfen. Wie weit die Schuldfrage wirklich geht, ist nicht mehr ganz deutlich zu rekonstruieren, unter anderem weil viele der Schlüsselpersonen in Attentaten ermodert wurden – unter anderem der Fuehrer der Falangist, Eli Hobeika, der die Ermordungen direkt veranlasst hat. Dieser wurde wenige Tage vor seiner Zeugenaussage gegen Ariel Sharon ermordet. Sharon war vor einem Belgischen Gericht des Völkermordes im Zusammenhang mit den Sabra / Schatila Massakern angeklagt. Fest steht, dass Ariel Sharon als damaliger Verteidigungsminister über das Massaker bescheid wusste – das wird ja in dem Film auch gezeigt. Tatsächlich aber hat er aber bildlich gesprochen, zumindest die Tuer aufgeschlossen, die Moerder ins Haus gelassen, und nach ihnen wieder zugeschlossen. Das ist ein anderes Schuldmomentum, als nur die Mitwissenschaft.
Diese objektiv klare Kausalität zwischen kontrollierendem Besatzer und einem Massaker, das in einem seiner Lager verübt wird, bleibt der Film seinem Zuschauer schuldig. Auch bleibt der Film uns schuldig zu erläutern, wie eng die Zusammenarbeit zwischen den Falangist Truppen und Israel war. Der Einfluss Israels auf den Libanon zu der damaligen Zeit wird vielleicht am besten durch die Wahl von Bashir selber zum designierten Präsidenten Libanons gezeigt. Nur mit Israels Zutun konnte Bashir gewählt werden. Es wird also unter anderem in der oben genannten Völkermordanklage gegen Ihn angenommen, dass Scharons Zutun weit über die blosse Mitwissenschaft hinausging.
—-(Tatsächlich haben Massendemonstrationen in Israel im Anschluss dieser Massaker dazu geführt, dass eine Kommission einberufen, die Scharon diese Mitwissenschaft dokumentiert. Trotz seines Weigerns, musste er endlich zurücktreten. Es wurde befunden, dass er nie wieder ein öffentliches Amt tragen durfte – trotzdem wurde er 15-20 Jahre später Ministerpräsident Israels…. wieder so ein Ding mit der Erinnerung) —
Die eigentlich Besatzung Libanons und die daraus resultierende Schuld Israels wird eigentlich gar nicht angesprochen. Stattdessen konzentriert der Film sich vielmehr auf das ‚Soldatensein’ an sich, und ist in diesem Sinne ein pazifistischer Film.
Der Film baut Mitgefühl und Verständnis fuer Israelische Soldaten auf. Dies tut er in keinster Weise fuer die palästinensischen Opfer eines der fürchterlichsten Massaker der modernen Geschichte. Für mich ist das eine große Schwäche von Waltz with Bashir. Wie gesagt – eine politische Schwäche – die besonders deswegen schwer wiegt, weil es unter anderem eben ein israelischer Film ist.
Es ist erfreulich (und erfrischend) einen Film zu sehen, das ein Schuldgeständnis eines sonst so aggressiven Staates ist, dessen grundsätzliche Daseins- und ständige Handelsberechtigung seiner expansiven Politik sonst die gepachtete Opferrolle ist. Es ist eben deshalb umso ärgerlicher, dass eben die Schuldfrage nicht wirklich im Mittelpunkt des Filmes zu sein scheint.
Der Film wurde von der Israelischen Regierung stark unterstutzt. Für einen Staat der besser als kein anderer es versteht, PR in der heutigen Welt einzusetzen, ist dies natürlich kein Zufall. Er kann es meines Erachtens deshalb tun, weil wie gesagt, die Schuldfrage nur scheinbar im Mittelpunkt des Filmes steht, tatsächlich sie aber auf sehr subtile Weise korrumpiert wird. Und auf überraschenderweise stellt man am Ende des Filmes fest, das man die realen Fotodokumente eines abscheulichen Massakers im Schulterschluss mit seinem israelischen Regisseursoldaten kopfschüttelnd anschaut und, wenn überhaupt, nichts anderes als Sympathie fuer israelische Soldaten, die Helfershelfer dieses Massakers verspuehrt, die Schuldfrage an sich aber, vollends vergessen hat. Das finde ich erstaunlich und beunruhigt mich an dem Film.
Ich wüsste gerne wie man sich diesen Film anschaute, was man von ihm hielt, hätte man selber einen Bruder, eine Schwester, eine Mutter oder Vater bei diesem Massaker verloren.
Dieses Resultat ist dem Regisseur jedoch nicht fremd, obwohl er sich überrascht über die positive Reaktion der israelischen Regierung tut.
Tatsächlich ist Folman sich über die politische Einseitigkeit und analytische Schwäche seines Filmes voelligst im Klaren. Er erklärt sie frontal und behauptet, dass der Film gar nicht über das Massaker ginge:
“But the film is not, strictly speaking, about the massacre. It’s about memory. Where do our memories go after we choose to suppress them?”
Dies ist völlig richtig, nur ist das zugrunde liegende Thema zu wichtig, und die Schuldfrage zu wichtig, dass man sie nicht ernsthafter ausleuchtet. Fuhr mich ist diese Erklärung also fragwürdig.
Für mich behandelt der Film zwei Hauptthemen gleichzeitig, sehr eng miteinander verbunden. Wie Folman sagt geht es um Erinnerung, um den Menschen im weiteren Sinn, genauer gesagt um die menschliche Fakultät des Erinnerns und Erinnerung – wie verarbeiten wir Erinnerungen, was bedeutet Gedächtnis, wie glaubwürdig ist es, in welchem Bezug steht Gedächtnis zu unsere Psyche und wie stark beeinflusst unsere Psyche unser Erinnerungsvermögen. Ein spannendes Thema.
Der Film vertritt die These das Erinnerung dynamisch, nicht statisch ist. Erlebnisse werden beim Akt es Erinnerns immer wieder neu produziert und können durch gegenwärtige Umstände beeinflusst, manipuliert und, von einem faktischen Standpunkt, verfälscht werden. Erinnerungen sind also nicht unbedingt verlässlich. Traumatische Erlebnisse können komplett verdrängt werden, und tatsächlich, so lernen wir in WwB können Dinge als Erlebnisse unserem Gedächtnis suggeriert werden, die wir gar nicht erlebt haben. Dieser Umstand, dass unser Gedächtnis nur ein mangelhafter Protokollant unserer Taten zu sein scheint, ist der Ausgangspunkt des Filmes.
Der Erzähler begibt sich also auf eine Reise in die Zeit, wobei er gegen seine Amnesie ankaempfend die Fakten um die Geschehnisse bei diesem Massaker aufarbeiten will.
Für mich war die Spannung die bei dem Film aufgebaut wird, vielleicht gerade deshalb so gross, weil ich zum ersten Mal ein Israel präsentiert bekam, das sich als Täter zu präsentieren versprach – Israel zeigt sich selber als Täter, nicht als Opfer – etwas das jeder geradeaus denkender Mensch, der sich mit dem Israel/Palästina Konflikt beschäftigt einfach nur abnickt, verstört nur deshalb, weil es die Israelis selber einfach nie zugeben. Und gerade deshalb versprach dieser Film so spannend zu sein. Man will wissen, was ist da passiert? Ich hatte dann aber am Ende des Filmes, ein undefiniertes Gefühl an Enttäuschung und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich vielleicht irgendetwas verpasst hatte.
Ging das alles jetzt nur um die Leuchtraketen, fragte ich mich?
Unser mangelhaftes Gedächtnis im Zusammenhang eines Völkermordes als Hauptthema zu sehen ist sehr gewagt, im gunestigsten Fall — und bewusst propagandistisch manipulierend im Schlimmsten.
Ari Folman konzentriert sich in Waltz with Bashir scheinbar mehr auf die Leiden junger Israelis, die aus ihrem Alltag einer in Wohlstand geführten Jugend gerissen werden, um fuer ihr Land zu krampfen, als auf die Gründe und Hintergründe eines Völkermordes schonungslos einzugehen. Die Leiden palästinensischer Flüchtlinge unter Israelischer Besatzung und ihr Abschlachten unter Israelischer Besatzung werden, den Albträumen und den intellektuellen Fragestellungen nach unserer Erinnerungsfähigkeit untergeordnet.
Tatsächlich wird das Massaker komplett abstrahiert. Der Regisseur lässt es bewusst in der Sphäre des ‚unvorstellbaren’. Das Leid wird zwar durch die Fotoelemente am Schluss gezeigt, aber der moderne Zuschauer ist zu sehr abgestumpft und vielleicht ist das Leid auch zu groß, dass man es verarbeiten könnte. Der Zuschauer versteht nicht das Leid das vorgefallen ist, und kann somit auch emotional keine Schuldzuweisung tun, kaum mit den Opfern sympathisieren. Wir lernen in dem Film nicht den Namen eines einzigen Arabers kennen. Ohne die Personalisierung des Leids, bleibt es irreal. Es ist fast so, als sei es gar nicht vorgefallen. Wir sehen einen Film über ein Massaker an Arabern und erinnern uns am Ende nur an nette, sympathische, liberale Israelis mit Rückrat, die ehrlich, rechtschaffend und kultiviert sind.
Bei einem Film über Erinnerung – der uns ganz deutlich sagt, dass Erinnerung leicht zu beeinflussen ist, kommt man bei einer solchen Darstellung der verschiedenen Seiten also irgendwann zum nachdenken – besonders interessant ist es, über die zugrunde liegende Ironie nachzudenken, wenn man den Film unter dem Gesichtspunkt eines perfiden Propagandawerks der israelischen Regierung sieht. Das behaupte ich keinster Weise, aber gleichfalls, finde ich es überhaupt nicht überraschend, dass die Regierung Israels diesen Film so sehr unterstützt.
Die Suche nach Aufklärung konzentriert sich wieder einmal ausschließlich auf das Leiden Israelis. In einem unwahrscheinlichen Kontext schafft es Folman also israelische Juden ein weiteres Mal in der Opferrolle darzustellen und unterdruckt, die Seite der Araber darin nahezu komplett.
Durch das in den Vordergrundstellen einer allgemeingueltigen Studie über das Erinnern im Kontext sehr menschlich reagierender und friedliebender Israelischer Soldaten, unter dem Schein eine Aufklärung zu einem Massaker zu suchen das im Eingeständnis einer Teilschuld Israels mündet, identifiziert sich der Zuschauer leicht mit den Protagonisten und sympathisiert mit einem scheinbar liberalen und offenem Israel von heute, das der Film fuer internationale Zuschauer vertritt. Überspitzt ausgedruckt kann man sagen dass somit die Ermordung hunderter Palästinenser fuer das Israel in letzter Instanz anerkannt verantwortlich ist, somit auf perverse Weise, nicht nur in den Hintergrund gedrängt wird, sondern zum Träger israelischer Sympathie in der Welt wird. Die uneingeschränkte Anerkennung fuer die zugrunde liegende, gelungene künstlerische Arbeit hier, tut ihr weiteres. Ein starker Schritt, der allerdings nur halbherzig in die richtige Richtung geht, und kurz vor der Antithese Israels Selbstdarstellung halt macht. Der Täter bleibt das Opfer.
Find´ich Latscholinde!
7 Kommentare - abonnieren oder Kommentar schreiben
Easy du bist so ein Woscht man liest die ersten zwei Absätze von deinem Text und weiß schon orginal um was es geht, wo Artur “nicht zu viel verraten wollte”, da klärt du uns schon auf ohne das wir das wirklich gewollt haben. Na ja ob ich mir den Film noch anschaue ich weiß es nicht die Pointe ist ja schon am Arsch.
um 07:36 Uhr am 01.12.`08
Yeah Easy! Nach Tagen der Flaute weht endlich wieder eine ordentlicher Wind und Onsline nimmt Fahrt auf. Danke für die sehr ausführliche Betrachtung und deine Gedanken zum Film. Ich muss zugeben, insgeheim hatte ich auf eine Meinung gerade von Dir gehofft. Mir ist auch klar, dass man sich nicht dezidiert mit einem (Film-)Text auseinandersetzen kann, ohne Inhaltliches zu verraten.
Jochie, ich kann dich aber trösten, mir hatte man die “Pointe” auch schon vorher verraten, was dem Film aber nicht viel genommen hat.
Ich bin gespannt und hoffe, hier bald noch mehr Meinungen zu WwB zu lesen. Ganz ungeschoren kommst Du mir natürlich nicht davon, Easy. Aber alles zu seiner Zeit.
um 11:12 Uhr am 01.12.`08
Ja, sorry Jochi -- ich hab das jetzt im Text oben geaendert -- wie gesagt, das ist bei dem Film echt nicht sehr schlimm, wenn du weisst, um was es da geht. Der Film bleibt wahnsinnig sehenswert. Auf jeden Fall angucken gehen, und dich nicht von meinem Lapsus stoeren lassen. Aber ehrlichgesagt -- ist das voellig normal bei Rezensionen. Deswegen hatte ich halt das hier auch nicht als weiteren Kommentar zu Artur’s urspruenglichen Tipp (im Gegensatz zu Rezension) sondern als eigenstaendigen Text gepostet.
um 11:18 Uhr am 01.12.`08
Sorry, aber da muss ich jetzt mal eine Lanze für Herrn Schan brechen. Wer auch nur einen Artikel im Vorfeld zu dem Film gelesen hat weiss wohl sehr gut worum es geht, inklusive Hunde- und Leuchtraketenszenen.
Ich denke (ohne den Film bisher gesehen zu haben), dass es eher um die Art der Darstellung geht, d.h. wie der Dokumentarische Charakter mit dem Medium Comic gezeigt wird.
Was Easys Kritik angeht fällt mir nur auf, dass der Film erst 4 Sterne bekommt um dann anschliessend nur gedizzt zu werden?!
Inhaltlich kann ich zur Kritik wenig sagen, ausser vielleicht, dass Quellen gut wären. Wie hat der Staat Israel den Film gefördert? Ohne Quellen ist so eine Behauptung immer etwas mit Vorsicht zu geniessen finde ich.
Ansonsten klingt die Argumentation plausibel, auch wenn sich (wenig überraschenderweise) im deutschen Feuilleton nicht in dieser Richtung finden ließ.
um 11:26 Uhr am 01.12.`08
Man kann auch GENAU anderer Meinung sein, als ich… gesichtet auf jewcy.com “what matters now”:
The most revealing scene in Waltz with Bashir is when Folman’s character is assured by his close friend that he should not feel responsible or guilty as he did not know why he had been ordered to fire the flares which facilitated the Phalangists’ massacre. He believes the real reason why Folman feels so troubled by his war experience is because he is putting himself in the place of the Nazis. The reason he feels so strongly about Sabra and Shatila in particular is because they remind him of ‘those other camps’. Because his parents were in Auschwitz, ‘the camps’ have really been with Folman since childhood, his friend explains.
Here, even the atrocities against the Palestinian refugees are all about Folman and his apparent psychological suffering as a ‘second-generation Holocaust victim’. Waltz with Bashir has been nominated for a range of prestigious film awards but it really takes the prize of the most introspective and narcissistic ex-soldier’s story ever. It is also a striking perversion of history, conflating the systematic extermination of millions during the Second World War with a three-day, spontaneous violent rampage in 1982.
At the end of the film, there is a sudden shift from animation to real archive footage of Palestinian refugee women wailing amongst the rubble and dead bodies in the Sabra and Shatila camps. Suddenly the impact of the graphics which were so forceful throughout the film wanes. Nothing is as shocking as reality.
While the Israelis are drawn as two-dimensional cartoon figures, the Palestinians are the only ones shown as real human beings, in actual film footage. In an attempt, seemingly, to hammer home the point that war is no American action movie, and that the true victims were the refugees in the camps, this final scene is in fact Waltz with Bashir’s ultimate assault on the Palestinians. They only feature as massacred and bloated body parts, as symbols for Israelis’ guilt.
Waltz with Bashir is an excellent, thought-provoking and devastating film. You will have never seen anything like it. Yet though it is highly recommendable, it is also objectionable.
http://www.jewcy.com/post/postzionist_stress_disorder_waltz_bashir_reviewed
um 23:28 Uhr am 02.12.`08
Zimmer, bzgl Israel’s offizieller Stellungnahme zu dem Film -- hier zwei Zitate von Folman (Quelle Daily Telegraph):
“The most surprising thing is the very big hug that Israeli government officials have given the film,” Folman tells me when we meet at a London hotel. “Everywhere I travel, the local Israeli ambassador is there. They send the film all over the world at their expense. The Minister of Foreign Affairs calls me personally to say they’ll do anything to help.”
“And it does feel out of control. At the [recent] opening of the Haifa Film Festival, [Israeli president] Shimon Peres made a speech. He said: ‘There’s a world economic crisis now – but we’ve got Bashir!’ ”
um 23:39 Uhr am 02.12.`08
Jetzt wo ich den Film gesehen habe muss ich nochmal einen Kommentar abgeben.
Jochie und alle anderen die den Film noch nicht gesehen haben sollten sich meinen Kommentart nicht unbedingt durchlesen, da vielleicht zu viele Details schon offen gelegt werden.
Sicherlich ist der Film limitiert was die Beschreibung des Massakers angeht, da ers ich auf die Perspektive des einfachen Soldatens beschränkt. Insofern ist es eben streng genommen kein Film über das Massaker sondern über Erinnerungen und Kriegstraumata.
Allerdings denke ich auch nicht, dass der Film dazu taugt, Israels Rolle an sich zu schönen.
Zwar empfindet man für die Protagonisten Sympathie, da sie im Endeffekt in eine Maschinerie geraten, die sie völlig überfordert und auch sehr hilflos läßt. Hieraus zieht der Film meines Erachtens eine sehr starke Botschaft der Sinnlosigkeit und Menschenfeindlichkeit kriegerischer Auseinandersetzungen.
Die Rollenverteilung zwischen gut und böse jedoch ist eigentlich klar besetzt auch wenn natürlich die Entscheidungsvorgänge und die genauen schuldhaften Handlungen der israelischen Befehlshaber nicht dokumentiert werden.
Einen Knackpunkt sehe ich an der Stelle wo klar wird, dass Ari Folman selbst damit beschäftigt war die Leuchtraketen abzufeuern. Hier wird meines Erachtens die persönliche Verstrickung etwas zu leicht abgetan, allerdings würde ich mir das auch gerne nochmals anschauen um mir ein klareres Urteil zu erlauben.
Sicherlich bietet der Film zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten. Ich denke jedoch, dass es insgesamt eine sehr gute Aufarbeitung des Massakers und der Schuldgefühle aus Sicht eines einfachen Soldatens darstellt.
Recht geben muss ich dir sicherlich in dem Punkt, dass z.B. Herr Scharon (falls er dazu in der Lage wäre) durchaus zufrieden damit sein kann, dass das Thema an dieser Stelle eben aus einer für ihn relativ günstigen Perspektive gezeigt wird und die Details schuldhaften Handlens eben nicht analysiert werden (können).
Trotzdem denke ich hat der Film vollauf seine Berechtigung, auch wenn eine weitere Aufarbeitung des Themas auf anderer Perspektive sicherlich notwendig ist. Somit ist es vielleicht auch der zuschauer, der gefordert ist, sich weiter über das Thema zu informieren.
um 09:30 Uhr am 11.12.`08
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